Nachdem Google+ bisher nur für Personenprofile verfügbar war, können seit gestern Abend auch Unternehmen und Marken sowie Künstler, Vereine und weitere Organisationen sich eigene Google+ Seiten erstellen. In diesem Beitrag werden die Social Media Marketing-Möglichkeiten von Google+ für Unternehmen sowie einige Vorzüge und Nachteile gegenüber Facebook Fan-Seiten aufgezeigt.
Während zum Start des Dienstes bisher nur ausgewählte Unternehmen (wie Pepsi, Sony oder H&M) und Organisationen (z.B. Save The Children) den Vorhang ihrer Google+-Pages lüften durften, sollen „bald“ die Tore für die Allgemeinheit geöffnet werden. Wie bei Facebook Fanpages können dann alle Unternehmen über Google+ Pages Mitteilungen, Fotos und Videos posten und kommentieren. Netzwerkfreunde können „liken“ bzw. „plussen“. Auch wenn in der Startphase die Einbindung von Social Commerce in Google+ Seiten noch nicht im gleichen Umfang möglich ist wie beim etablierten Facebook Commerce – die Kernfunktionen von Facebook Fan-Seiten und Google+ Seiten sind sehr ähnlich.
Als das vielleicht prägnanteste Unterscheidungsmerkmal zu Facebook, können natürlich auch bei Google Plus Seiten die „Circles“ genutzt werden – und zwar von Personenprofilen wie auch den (Unternehmens-)Seiten: Einerseits können Fans die Unternehmensseiten einem oder mehreren ihrer Kreise zuordnen, andererseits können auch die Unternehmen ihre Anhänger auf gleiche Art segmentieren. Auf diese Weise können Unternehmen und Marken bestimmte Informationen nur einer bestimmten Gruppe ihrer Anhänger (z.B. Premiumkunden) präsentieren, womit eine hochspezifische Zielgruppenansprache ermöglicht wird – einfacher als über Facebook-Fanpages.
Eine weitere Besonderheit im Bereich Zielgruppenansprache ist der „Google+ Hangout“: Unternehmen können über eine Videokonferenz direkt mit ihren Kunden und Anhängern „von Angesicht zu Angesicht“ kommunizieren (derzeit auf 9 Konferenzteilnehmer begrenzt). Mit ein wenig Kreativität lassen sich für Unternehmen schnell zahlreiche Möglichkeiten erahnen, über den Hangout ihren Marken ein Gesicht zu geben, ihn für Social Media-Kampagnen „zweckzuentfremden“ oder Kundenfeedback einzuholen. Auch Potenziale zur Ideengenerierung im Sinne von Open Innovation lassen sich leicht erahnen.
Zur Erfolgskontrolle der Marketingmaßnahmen kündigte Google+ umfangreiche Möglichkeiten über Google Analytics an, über die laut Google die Nutzerinteraktionen exakt gemessen werden können. Bis zur Vorstellung in den kommenden Wochen bleibt es abzuwarten, inwieweit Gooogle damit den Wunsch vieler Unternehmen erfüllen kann, den Erfolg ihres Social Media-Marketing in harten Zahlen zu messen.
Google+ Seiten findet man in Zukunft natürlich nicht nur über die netzwerkeigene Suchfunktion. Erwartungsgemäß setzt Google+ auf eine enge Verbindung zur eigentlichen Kernkompetenz des Mutterkonzerns, dessen Suchmaschine. Unternehmen haben die Möglichkeit Links zu ihren Google+ Seiten direkt in die Suchergebnisse einzubetten. Eine weitere neue Möglichkeit heißt „Direct Connect“: Wird künftig in der Google-Suche dem Markennamen ein Plus vorangestellt, z.B. „+FC Barcelona“ eingegeben, gelangt man direkt zur entsprechenden Google+ Seite. „Direct Connect“ scheint einen Tag nach Einführung bis dato zwar noch nicht reibungslos zu funktionieren, in den nächsten Tagen sollte sich dies jedoch ändern.
Neben der Heilung von Kinderkrankheiten sollen für Google+ Pages regelmäßig weitere Neuerungen folgen, man darf also gespannt sein. Entscheidend dürfte jedoch die Frage sein, ob sich Google+ langfristig als ernstzunehmender Facebook-Konkurrent etablieren kann. Die 100-Tage-Bilanz von Google+ lässt daran bislang noch zweifeln. Die deutlich geringeren Nutzerzahlen von Google+ gegenüber Facebook sorgen nicht nur bei vielen Nutzern für Langeweile in ihren „Streams“, sie sind bislang der für das Social Media Marketing schwerwiegendste Nachteil von Google+ gegenüber Facebook. Vielleicht bringen die Google+ Pages ja die erhoffte Belebung im Stream des sozialen Netzwerks.
Planen Sie (zusätzlich zu Ihrer Facebook-Präsenz) auch ein zeitnahes Engagement auf Google+? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare!
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